YT´s neues „Tues CF“ im exklusiven Praxistest

Winter, Schnee, Matsche, Kälte? Nicht an diesem Wochenende! Dieses Wochenende ist nämlich etwas Besonderes. YT präsentiert seinen nächsten Knaller! Nachdem bereits das Endurobike „Capra“ mir Vollcarbonrahmen einschlug, wie eine Bombe, heben die Jungs aus Forchheim nun ihr Downhillbike „Tues“ auf das nächste Level. Neues Material, neue Optik, neue Geometrie - und das alles für unter 4000 Euro! Ein Wochenende voller echter Knüller, logisch, dass man das nicht im heimischen Einheitsgrau zelebriert, sondern unter dem strahlend blauen Himmel von Malaga, das mit seinen felsigen Downhilltrails jedes Jahr Profirider wie Steve Peat, Josh Bryceland oder die Athertons lockt und perfekte Rahmenbedingungen für einen Test bietet.

Text: Martin Donat
Fotos: Johan Hjord,
www.hjord.com

Am Flughafen holt mich Wesley ab. Der heisst eigentlich Michael, wie sein Boss, aber um Verwechslungen auszuschließen, rufen ihn alle bei seinem Nachnamen. Wes arbeitet für Switchbacks, der Shuttle und MTB Trip Company von Malaga. Und ich befinde mich nun auf dem Weg zum Switchback Headquarter etwas außerhalb in einem überschaubaren Vorort von Malaga. Auf der Terasse erwarten mich bereits Markus und Stefan von YT, in Shorts und mit kühlem Feierabend Bier in der Hand. So lässig kann es gern weitergehen!

Wir lassen den Tag ausklingen mit einer ersten Begutachtung der neuen Bikes. Eins ist klar: die sehen schonmal richtig heiss aus! Und zwar alle 4 Versionen. Eigentlich gibt es nur zwei Modelle, das Highend Modell „Pro“ und das etwas günstigere „Comp“, beide werden aber in zwei Farbvarianten zu haben sein. Das „Comp“ kommt in Weiss und Grün, das „Pro“ wird in Rot und Blau erhältlich sein. An beiden Bikes ist die Partliste beeindruckend, die Preise einmal mehr eine echte Ansage: 3999 Euro für ein 27,5“ Carbonbike mit BOS Fahrwerk und 3499 Euro für das günstigere Modell mit Rock Shox Fahrwerk suchen wohl auf dem Downhillmarkt ihresgleichen, denn es ist auch gar kein Problem, locker das Doppelte für ähnlich ausgestattete DH Boliden auszugeben.  Ich bin schon richtig heiss darauf, die Bikes auszuprobieren!

Knallrot - das Top Modell „Tues CF Pro“ ist ein richtiger Hingucker!

Am nächsten Morgen werde ich zeitig vom Gebell der Hunde und dem Krähen der Hähne geweckt! Hier in Spanien ist alles ganz schön ländlich. Also nichts wie raus aus den Federn und ab auf die Trails! Wir beginnen zum Warmwerden auf dem Switchbacks Haustrail namens „Happy Days“. Eher leicht, kurz und flowig mit ein paar schönen Sprüngen und losen Switchbacks direkt nach dem Start. Ich beginne auf dem „Tues CF Comp“ mit Rockshox Fahrwerk. Bereits beim ersten Aufsitzen fühle ich mich richtig wohl. Ich sitze angenehm „im“ Bike, Lenkwinkel, Lenkerform, Tretlagerhöhe - alles ist stimmig und gefällt mir richtig gut. Der erste Eindruck ist also super! Stefan freut sich, denn genau das war sein Anliegen: „Durch die größeren Laufräder konnte ich das Tretlager weiter absenken, ohne dass die Bodenfreiheit zu gering wird, außerdem habe ich den Reach verlängert und dafür gesorgt, dass der Fahrer noch zentraler auf dem Bike steht“ - eine moderne Downhillgeometrie mit niedrigem Tretlager, flachem Lenkwinkel und recht langem Rahmen ist das Ergebnis. Bemerkenswert ist vor allem, dass diese Geometrie natürlich auch von YT Profis wie Kelly McGarry oder dem deutschen Racer Erik Irmisch für gut befunden wurden, vor allem aber auch uns „Normalos“ super passt. 

„Happy Days" - der Name auf dem Switchbacks Haustrail ist Programm

Dasselbe gilt für´s Fahrwerk, vor allem am „Comp“ mit Rock Shox Federelementen. Diese sind bewusst simpel gehalten, überzeugen aber mit bester Performance. Vor allem die neue „Charger“ Kartusche der Rock Shox „Boxxer" kann einmal mehr überzeugen. Hinten spüre ich anfänglich ein etwas störendes Schlagen bei etwas dickeren Schlägen, als sei der Hinterbau unterdämpft. Fahrwerks-Nerd Stefan hat sofort die Lösung parat: „Dreh mal die Lowspeed Druckstufe ein paar Klicks rein“ - gesagt, getan und das Schlagen ist passé. 
Der Trail macht Spass und das Tues erst recht. Es kombiniert angenehme Laufruhe optimal mit der Wendigkeit, die beim Springen für die extra Portion Spass sorgt. Bis Mittags lassen wir es hier krachen - Oh happy day!
Zwischen-Fazit: das Modell „Comp“ ist ein tolles Bike! Ich persönlich mag das Rock Shox Fahrwerk vor allem deshalb, weil es so leicht zu handhaben ist. Die Einstelloptionen sind überschaubar, ebenso, wie die Anzahl der Klicks. So erhält man mit wenig Aufwand ein sehr gut funktionierendes Fahrwerk und spart auch noch rund 500 Euro im Vergleich zum „Pro“ Modell.

Ausstattung „Tues CF Comp“

Federgabel: RockShox BoXXer Team
Dämpfer: RockShox Vivid R2C 
Federweg v/h: 200 mm / 208 mm 
Kurbelgarnitur: SRAM Truvavit Decendant
Schaltwerk: SRAM X9 Typ 2.1 
Laufräder: DT SWISS YT2020  
Reifen: Maxxis HighRoller II  
Vorbau: Race Face Altlas  
Lenker: Race Face Altlas 
Bremse v/h: SRAM Guide RS  
Sattelstütze: SDG Micro I-Beam 
Gewicht: 16,5 kg 
Preis: 3.499,00 Euro

Das Umland von Malaga bietet die perfekte Kulisse für das neue „Tues CF Pro“

Das feuerrote Highend Modell knöpfe ich mir später vor. Optisch ein absoluter Knaller und technisch mit allem ausgestattet, was Downhiller-Augen glänzen lässt. Kaum zu glauben, dass dieses Schmuckstück mit komplettem BOS Luftfahrwerk für unter 4000 Euro den Besitzer wechselt! Meine Highlights sind klar die BOS Federung und der 7-fach „Xo DH“ Antrieb von Sram. Zu erwähnen sind auch noch die E-13 Laufräder (deren lauten Freilauf man mögen muss) und der brandneue Renthal „Integra 2“ Vorbau, der am YT seine Premiere feiert. Bevor es losgeht, sollte man sich beim „Pro“ Modell mit seiner Federung vertraut machen. Bos bietet alle erdenklichen Abstimmungsmöglichkeiten und einen sehr feinen Einstellbereich, was total super ist, aber genutzt werden will. Sprich: dieses Fahrwerk taugt natürlich als Statussymbol zum Angeben vor den Kumpels, macht aber erst dann richtig Sinn, wenn man Lust hat, sich damit zu befassen und Zeit in ein optimal funktionierendes Fahrwerk investieren will. Zum Glück kommt das YT mit einem sehr guten Grundsetup, so dass es recht bald losgehen kann. Und das geht richtig nach vorn. Es ist quasi perfekt: sau leicht, top Fahrwerk, bissige, bestens einstellbare Bremsen und eine super knackige, extrem zuverlässige 7-fach Schaltung, die zum Downhillfahren völlig reicht und im Gegenzug mit Präzision und Standfestigkeit zu überzeugen weiss. Dieses Bike setzt nochmal einen obendrauf und verleitet mich zu immer größeren Sprüngen und höherer Geschwindigkeit. Selbst ein massiver Highspeed Stepup mit eher unsanfter Landung verliert völlig seinen Schrecken. Am günstigen „Comp“ gab es im Grunde schon nichts zu meckern - das rote „Pro“ ist einfach die Sahnehaube obendrauf. Und ehrlich gesagt macht es allein angesichts des Preises und der verbauten Parts schon Sinn, sich für das teurere Modell zu entscheiden, sofern das Budget es erlaubt. 

Ausstattung „Tues CF Pro“

Federgabel: BOS Idylle RaRe 
Dämpfer: BOS DH Void 
Federweg v/h: 200 mm / 208 mm 
Kurbelgarnitur: e*thirteen LG1r  
Schaltwerk: SRAM X01 DH  
Laufräder: e*thirteen LG1r  
Reifen: Maxxis HighRoller II  
Vorbau: Renthal Integra II  
Lenker: Renthal Fatbar Alu 30 mm 
Bremse v/h: SRAM Guide RSC  
Sattelstütze: SDG Micro I-Beam 
Gewicht: 15,8 kg 
Preis: 3.999,00 Euro

Fazit
Ein waschechter Downhillknaller mit Einflüssen der YT Prorider verpackt in einen wunderschönen Carbonrahmen mit einer Geometrie und einem Fahrwerk, das vor allem auch ganz normalen Bikeparkfahrern und Racern ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert! Einmal mehr hat YT Entwickler Stefan Willared bewiesen, dass er sein Handwerk versteht und liefert eines der 2015er Highlights auf dem DH Markt ab. Und das zu einem Preis, zu dem andere Hersteller ihre Low-Budget-Sparmodelle anbieten. Egal ob „Pro“ oder „Comp“, ob grün, rot, blau oder weiss - das Tues CF ist ein echter Knaller!

Geometriedaten

Gallery

(für größere Ansicht Bilder anklicken!)

Bevor es losgeht, stimme ich mit YT Techniker Thomas erstmal das Fahrwerk ab

„Tues CF Pro“

Die Rahmenform des „Tues“ erinnert an das „Capra“ - ganz klar, dass es sich um Geschwister handelt!

Die Steuerzentrale

Intern verlegter Schaltzug

Die Bremsleitung hinten ist komplett extern verlegt, was eine ggf. notwendige Reperatur auf einem Rennen extrem vereinfacht. 

Sram´s neue „Guide RSC“ sorgt für beste Bremsperformance

Schlanker, hübscher und besser zu montieren: der neue Renthal Vorbau

Kleines Manko: bei heftigen Stürzen können die Rahmenschützer an der Gabel nicht verhindern, dass die Doppelbrücke an der Zugführung anschlägt und die Leitungen quetscht

Interessantes Detail: Beim Vorgänger Tues war dieses Bauteil noch massiv. Nun ist die Brücke von links nach rechts (da wo man die Lackabplatzer sieht) auf ein Minimum reduziert, um den Hinterbau weicher zu machen. Ihr lest richtig! Denn durch die Carbonsitzstreben wurde der Hinterbau so steiff, dass die Fahreigenschaften negativ beeinflusst wurden. Um das zu kompensieren, wurde hier Material weggenommen.

Perfekt einstellbar: das BOS Fahrwerk

Schön gelöst: austauschbare Gewindehülsen an der Bremsaufnahme

Kunststoff-Unterbodenschutz

„XO DH“ Antrieb

Auf dem „Happy Days“

Auf dem „Ridiculator“

YT „Tues CF Pro“

Ein tolles Racebike!

Fotos: Johan Hjord / www.hjord.com

Gepostet am 21.02.2015 von Martin Donat |

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