Belgisches Chaosracing: Nissan DH Cup #2 Namur

Am Wochenende fand in der Citadelle de Namur in Belgien der zweite Lauf des Nissan Downhill Cups statt. Besonderes Racefeeling war vorprogrammiert. MRM Praktikant Robert Strom war vor Ort und berichtet:

Am Wochenende ging es in der "Citadelle de Namur" rund in Sachen Downhillracing. Der Nissan Downhillcup legte seinen zweiten Stopp in der belgischen Burg ein, um die mit vielen Sprüngen gespickte Strecke einmal richtig durchzunehmen. Namur ist eine der großen Städte Belgiens, welche auf dem Berg des Geschehens eine Zitadelle hat, also eine Art Festung. Den Berg hinauf führt eine Pflasterstraße, die den Shuttle LKWs ordentlich die Blattfedern zum Quietschen bringt. Oben angekommen landet man auf einem riesigen Platz, der kurzerhand für ein Wochenende zum Fahrerlager umgewandelt wurde.

Vor dieser atemberaubenden Kulisse der Festung und dem tollen Panorama über Namur mussten sich die Fahrer der eher Freeride-artigen Strecke stellen. Dieses Jahr war leider zu bedauern, dass der Start nicht mehr durch die Burg geführt wurde, sondern dahinter direkt in den Wald führte. Corner Jumps, Step-Ups und ein fetter Table waren die dominierenden Streckenabschnitte. Die technischen Teile wurden da eher hinten angehängt.

Bertrand Gilles, einer der schnellsten Belgischen Fahrer

Am Samstag ging um 9.00 Uhr der Trackwalk los, welcher aber aufgrund der Tatsache, dass es meist nur eine Linie gab, welche zu den Sprüngen führte, nicht besonders spannend war. Staubtrocken war der Untergrund und steinhart die Absprünge. Die Strecke kam doch schon eher dem Freecross im Bikepark Winterberg gleich. Nach der ersten Abfahrt war klar: Das wird spaßig! Ein verdammt flowiger Track! So sah es auch der Deutsche Downhillprofi Andreas Sieber, den ich für die nächste Ausgabe der Rider kurz interviewt habe. Viel Staub, eine Menge strahlender Gesichter und viel Spaß ließen den Samstag mit einem tollen Sonnenuntergang über Namur enden.

Erschreckender Weise leerte sich der Platz zum Abend hin drastisch, was aber nichts an der Stimmung im Lager  änderte. Die Holländer rund um AGang Bikes machten Party, die Belgier spielten Karten und wir einzigen deutschen haben es uns im Pit gemütlich gemacht und gegammelt. Wat muss dat muss! Was verdammt abgefuckt hat, war, dass auf dem Dach der "Arena" fünf riesige Scheinwefer montiert waren, welche die ganze Nacht durch den Platz erhellt haben und eine durchaus schlaflose Nacht verursacht haben. Naja...scheiß Drauf...die Belgier halt. 

Sonntag ging es ab 8.00 Uhr mit dem Training für die ersten los. Die besten 70 der Gesamtwertung mussten erst um 9 ran. Puhh ausschlafen! Nach den 2 Pflichtabfahrten war dann Pause und alle bereiteten sich aufs Rennen vor, was aber problematisch wurde, da nun allmählich der Regen einsetzte. Damit auch ja nix nach Plan läuft, musste die Strecke natürlich vor Rennbeginn noch einmal von der lieben Natur gewässert werden. Der Staub der Strecke wurde also zu einem echt verdammt schmierigen Film, welcher nicht wenigen Fahrern zum Verhängnis wurde. Nach der ersten Qualifikation lag Andreas Sieber in der Elite Klasse vorne! Aufgrund dessen, dass Andi das erste Mal am Start war, kannte diesen schnellen Deutschen keiner und es wurde umso mehr darüber gegrübelt, wer er denn wohl ist. Die Belgier kommen bis auf wenige Profis nicht über die Grenzen ihres Landes hinaus, was zur Folge hatte, dass Andi für Aufsehen sorgte.

Die Quali Nummer 2 stand dann vollkommen unter Wasser. Diesmal war es allerdings wirklich nass und somit war der Grip wieder ein wenig besser. Die Fans hatten kein Problem mit dem Regen und gaben alles, so verrückt und laut wie möglich zu sein. Sie kamen sogar in der einen Kurve fast an die Ilmenauer ran. Wie vorhersehbar gewann auch diesmal Andreas Sieber die Eliteklasse und alle waren nun auf seinen SuperFinal-Lauf gespannt und darauf, ob Bertrand Gilles oder Leo Combee ihn überbieten würden. Die belgischen Profis Nico Vink und Kristof Lenssens konnten diesmal leider nicht teilnehmen. Lenssens war verletzt und Vink abwesend.

Bei voll durchnässter und rutschiger Strecke ging es im strömenden Regen um die besten 30 Plätze. Bertrand Gilles war nun an der Reihe und legte eine unglaubliche 1.22 hin, welche eine Sekunde langsamer als Andis Zeit im Trockenen war. Das Publikum vor dem riesigen Fernsehbildschirm war am ausrasten. Die letzten drei Fahrer standen nun oben. Leo Combee, 2. in der Quali, raste an mir vorbei...als auf Bildschirm eine schlechtere Zeit als Gilles angezeigt wurde warteten nun auf Andreas. Er schoss an mir vorbei und ich brüllte was das Zeug hält. Mit beachtlichem Tempo fuhr er den Kurs ab. Die Zuschauer waren angespannt; jetzt gleich muss seine Zeit eingeblendet werden, noch eben die Slowmotionübertragung des Tables und da kam sie: 1.41!!!! Ein Raunen ging durch die Menge...."This is not possible","No way!", das kann doch nicht sein. Da wird bestimmt ein Fehler gewesen sein in der Übertragung. Wie will man denn ohne Sturz auf dieser Strecke und bei de Tempo 20 sek. verlieren?!?!? Ich denke am Ende wussten nur ca. 5 Personen, was wirklich geschah. Andi kam mit dem letzten Shuttle hoch und ich begleitete seine beiden Freunde, welche mit ihm gereist und gefahren waren zum Ausladeplatz. Er stieg völlig verdreckt aus dem Shuttle. "Volles Rohr ins Fangnetz gescheppert" war sein erster Satz beim Aussteigen. Es werden nur die Leute der Zeitnahme und Leo Combee gesehen haben, wie er in der Zielkurve ins Fangnetz knallte. Die haben ihn nämlich überredet, noch ins Ziel zu "krabbeln". Vollkommen fertig und mit Schmerzen reiste Andreas ab. Die Qualis gewonnen, im Finale 25. That´s racing! Schade Andi und gute Besserung! 

Andreas Sieber, Gewinner der Qualifikationen und gecrasht im Finallauf. Schade und Gute Besserung!

Somit stand also fest, dass der belgische Profi Bertrand Gilles die Elite Klasse vor Mathieu Casse und Leo Combee gewann. Ich landete in meiner Klasse übrigens auf Platz 2. Bei der Siegerehrung kam dann wieder die Sonne zum Vorschein. So ging ein tolles, verrücktes und typisch belgisches Rennwochenende vorüber und alle machten sich auf den Heimweg runter von der Zitadelle.

Kona Teamfahrer Bertrand Gilles, Sieger der Elite Klasse

Am 6/7. September steigt das Finale des Cups in Boullion, wo es wieder heißt: ça va? -- NO!!!

Praktikant Rober Strom im Training

Fotos: Marc Gilboux (G.mPhotograpie)

Gepostet am 19.08.2013 von Robert Strom |

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