Martin´s Top 10 Alternativen zum echten Radfahren

Wenn das Verletzungspech zuschlägt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich eine Ersatzdroge zum Biken reinzupfeiffen. Auf der Couch rumliegen ist nämlich nicht so mein Ding. Während sich meine verletzte Hand also einen Lenz macht, suche ich nach Möglichkeiten, des Rest des Körpers in Form zu halten. Zu dumm, dass nichts von alledem mit echtem, rasanten, adrenalinreichen Mountainbiken mithalten kann. Doch der gute Wille zählt... hier ist also meine Liste der Dinge, die ich stattdessen in den letzten Wochen so getrieben habe...

Platz 10: Schwimmen
Habe ich von vornherein auf die Rote Liste meiner sportlichen Notlösungen gesetzt. Das ist eindeutlich zu nass. Stattdessen kann ich Extrem-Couching empfehlen, eine mentale Übung, die allerding im Verdacht steht, Rückenschmerzen zu verursachen, wenn man sich nicht regelmäßig wendet.

Platz 9: Fixie fahren
Einhändig ist das nicht so cool. Noch uncooler wird es, weil es ja mega uncool ist, ein Fixie mit Bremse zu fahren. Ohne wäre allerdings die Garantie dafür, dass die andere Hand bald auch noch in Gips ist. Also ein Versuch hat mir gereicht...

Platz 8: Rolle fahren
Wohl die naheliegendste Ersatzdroge. Im übertragenen Sinne gibt es da vom süffigen Glas Rotwein als Einstieg bis zum amtlichen LSD Trip sämtliche Abstufungen des virtuellen Trainings-Wahnsinns, denen jedoch allen eines gemeinsam ist: Ob Oldschool Rolle oder Weltraum-Hightech-Modul, nach spätestens 5 Minuten wird es so langweilig, dass man sich wünscht, im strömenden Regen, bei 2 Grad und im Dunkeln mit platten Reifen um den Kemnader See zu eiern. Alles ist besser, als vortriebslos und ohne Fahrtwind in den eigenen vier Wänden eine Schweißlache auf den schönen Dielenboden zu ergießen. Da helfen auch keine virtuellen Animationsprogramme über den Bildschirm des Fernsehers. Einzig durch die Wireless Technik hervorgerufene Verbindungs-Störungen sorgen für etwas Auflockerung und regen zum Nachdenken an, wenn man sich visuell auf einem rasanten Downhill durch die Alpen wähnt, während die Beine bei 300 Watt eine andere Geschichte erzählen. Eine Stunde habe ich ohne Pause geschafft, danach war ich mental weichgekocht. Wer es sich selbst so richtig beweisen will, der sollte unbedingt Rolle fahren!

Platz 7: Gym
Klingt erstmal nach einer guten Idee, oder? Also ab an den Ort der reinen Männlichkeit, ins Fitnessstudio, wo vor allem ab 17 Uhr der süße Duft des Testosterons die sportlichen Ambitionen beflügelt. Mit Handtuch und Trinkflasche ausgestattet wird einem nur allzu schnell bewusst, dass es gar nicht so einfach ist, ein sinnvolles Krafttraining ohne Hände durchzuführen. Kreativität ist also angesagt und die Erkenntnis, dass ein trainierter Oberkörper nicht alles ist. So wird man quasi dazu genötigt, das zu tun, was für den Radsportler ohnehin ziemlich sinnvoll ist: mal so richtig schön Rumpf und Beine pumpen! Das macht die Sache nicht wirklich unterhaltsamer, wenigstens darf man anschließend zufrieden feststellen, dass man sich den Eiweissriegel aus dem Automaten ehrlich verdient hat.

Platz 6: Ergometer fahren im Gym
Was ist noch schlimmer, als Rolle fahren zuhause? Richtig! Nicht nur, dass man mangels Fahrtwind nun den öffentlichen Raum des Fitnessclubs unter Wasser setzt, jetzt schauen einem dabei auch noch sämtliche Mit-Mitglieder des Clubs zu. Vom braungebrannten Disko-Pumper über den minderjährigen Spargeltarzan, der vollschlanken Schickimicki-Mutti mit ihrem frisch pensionierten Gatten und seiner amtlichen Megaplautze bis hin zum verpickelten Anabolika Arnie für Arme. Sie alle beobachten den Freak, der nicht das 5 Minuten Warmup Programm eingestellt hat, sondern bereits seit über einer Stunde im Takte der Musik aus seinen Kopfhörern vor sich hin pedaliert. Samt des Gesichtsausdrucks - der sich dank jugendlicher Metal-Core-Klänge irgendwo zwischen Hulk und Amokläufer einstellt - ein befremdlicher Anblick für Otto-Normal-Gym-User. Aber genau das macht es dann doch irgendwie interessant…

Platz 5: Spinning
Diese neuen Fitnesscenter, die mit virtuellen Trainingsräumen ausgestattet sind, bieten heutzutage richtige Spinningkurse an, nur mit virtuellem Drill-Instructor. Spinning an sich ist eine der anstrengenderen Arten, echtes Radfahren nachzuäffen. Vorausgesetzt man hat ein einfaches Prinzip verstanden: dreht man diesen Einstellknopf nach rechts, wird es anstrengender. Für viele ist selbst das zu schwer: während ich nach einer Stunde schweissgebadet vom stationären Stahlross falle, wundere ich mich jedes mal, wie man es schaffen kann, nach dem Programm nicht eine Schweißperle auf der Stirn zu haben…

Platz 4: Laufband
… womit wir schon beim nächsten Folterinstrument angekommen wären: Dem Laufband. Für mich mehr ein physiotherapeutisches Heilmittel, das ich auch nur widerwillig und vor lauter Langeweile näher in Augenschein genommen habe. Immerhin wurde relativ schnell klar: mit ein bisschen Übung sind selbst meine durchgerockten Kreuzband Knie durchaus in der Lage, meinen Körper in annehmbarem Tempo voranzutreiben. Also theoretisch. Denn in Wirklichkeit bewegt man sich natürlich auch hier keinen Meter vorwärts. Wenigstens das habe ich mit den Schnaken neben mir gemeinsam, die das Tempo auf 3 km/h einstellen und sich dabei auch noch an den seitlichen Sicherheits-Griffen abstützen, um ihre 10 Minuten Sport möglichst kraftsparend zu absolvieren, ohne dabei ihre wabbelige Wohlstandsplautze zu gefährden.

Platz 3: Outdoor Running
Voller Euphorie über meine Erfolge auf dem Laufband kam mir die Idee, diesen Sport einmal draußen in der Natur auszuprobieren. Eine gute Idee. Bis auf den Einfall, einfach meine gewohnte Bike Endurorunde abzulaufen. So wurde aus Laufen eher so eine Art Trail-Running. Eine höchst uneffektive Art der Fortbewegung mit dem Fazit: für so etwas ist der menschliche Körper nicht vorgesehen. Man ist langsamer, als mit dem Bike. Bergab ist eher eine Strafe, denn eine Belohnung und hat man es dann am Ende tatsächlich wieder ohne Seitenstiche bis Nachhause geschafft, hat man doppelt so lange gebraucht, ist dafür aber auch doppelt so hart im Arsch und die Knie tun weh. Wenigstens kann man diese Trainingseinheit auch bei Strava hochladen…

Platz 2: Sportfasten
Nichts essen und trotzdem Sport machen. Klingt nach einer super Idee, oder? Ist es auch. Es macht nicht wirklich Spaß, man lernt aber seinen Körper kennen, vor allem seine bemerkenswerte Gabe, aus Scheisse Gold zu machen: Selbst nach 4 Tagen ohne feste Nahrung spult er immer noch in beeindruckendem Tempo seine Sportration auf der Trainingsrolle ab… Zudem beschäftigt man sich zwangsläufig mit dem Thema Ernährung, lernt dabei sogar noch was und vor allem weiss man es nach 10 Tagen unglaublich zu schätzen, wenn es wieder normales Essen gibt.

Platz 1: Crossfit aka Functional Training
Die Grundidee ist ja nicht wirklich neu. Früher hieß das halt Zirkeltraining, heute verkauft man es als Crossfit. Wenn man dann aber einen Trainer findet, der richtig Bock hat, so ein Programm speziell für Downhiller zusammen zu stellen und das ganze BikePer4mance zu nennen, dann wird es langsam interessant. Eine Stunde reiner Qual ist das schweißtreibende Ergebnis. Und wenn die Hand nicht mitspielen darf, denkt sich der Drill Instructor eben andere, mindestens genauso fiese Gemeinheiten aus, die dafür sorgen, dass man am liebsten wegrennen würde. Oder Rolle fahren. Beides lässt man vor Erschöpfung dann doch lieber bleiben. Meine Rumpfmuskulatur ist jedenfalls ready to race jetzt!

Es wird höchste Zeit, dass ich wieder auf´s Bike darf!!!

Mehr solcher Geschichten findet ihr übrigens auch auf meinem Blog: http://www.project20four.com

Gepostet am 28.03.2015 von Martin Donat |

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