IXS EDC #2: Schladming Racereport

Ein unglaubliches Rennwochenende ist vorbei. Nach langjähriger Abstinenz betrat Schladming endlich wieder die Bühne des internationalen Mountainbike Business. Emmeline Ragot und Loic Bruni gehen aus dem spannenden Rennen als Sieger hervor.

Die Erwartungen an das zweite Rennen des iXS European Downhill Cups waren hoch, schließlich wird diese österreichische Strecke seit vielen Jahren als das Non-Plus-Ultra bezeichnet. Nicht verwunderlich also, dass bereits direkt nach dem Weltcup im wenig entfernten Leogang einige der Top Teams nach Schladming reisten und dort ihre Pits aufbauten.

Schon im Vorfeld zeichnete sich ab, dass diese iXS EDC Saison etwas Besonderes werden würde. Die Auswahl der Rennorte kann an Qualität kaum übertroffen werden und so reiht sich nach dem Auftakt in Maribor nun auch Schladming in die sieben Rennen umfassende Serie ein. Nach den Umbauarbeiten am Zielstadion der Planai für die letztjährige Skialpinweltmeisterschaft erscheint die Arena nun perfekt und bietet eine einmalige Kulisse. Der 2500 Meter lange Kurs mit 600 Höhenmetern bietet alles was man von einer perfekten Strecke erwartet. Extra für dieses Spektakel wurde ein stillgelegter Teil der ehemaligen Weltcupstrecke reaktiviert und somit bekam das Motto „Back to the World Cup Roots“ eine wahrhaft doppeldeutige Bedeutung. Die vorgefundenen Gegebenheiten konnten die Erwartungen der 425 angereisten Fahrer aus 26 Nationen voll und ganz erfüllen und zusammen mit dem Setup der iXS Serie stand ein perfektes Rennwochenende bevor.

Am Freitag ging es wie immer frühmorgens mit dem Track Walk los. Die äußeren Bedingungen waren dazu zwar nicht gerade perfekt, aber der einsetzende Regen spendierte der bis dahin staubigen und etwas glatten Piste den nötigen Gripanteil. Auch das freie Training am Nachmittag war eher von feuchtem Wetter gekennzeichnet. In Anbetracht der Aussicht auf Besserung am Wochenende wurde dies allerdings von den meisten als willkommene Abwechslung angesehen. Pünktlich zu den Alpinestars Whip Offs nahm der Wetterverantwortliche seine Arbeit wieder etwas ernster und lies einen spektakulären Contest mit Marian Skultety (SVK - Lapierre-CMS) als verdienten Gewinner zu.

Am Samstag ging es dann so langsam richtig los. Erst stand das Training auf dem Programm, anschließend folgte der Seeding Run. Zum Trainingsanfang war der Kurs noch etwas aufgeweicht, konnte aber immer weiter abtrocknen. Alle warteten gespannt auf den Seeding Run, schließlich ist dies immer der erste Hinweis auf die wirklichen Favoriten. In der Klasse der Elite Women gingen 40 Fahrerinnen an den Start. Schnellste des Tages wurde Tracey Hannah (AUS - Hutchinson UR), die bereits 2007 auf diesem Kurs einen Weltcup gewonnen hatte. Nur 5 Zehntelsekunden dahinter platzierte sich Emmeline Ragot (FRA - Lapierre Gravity Republic). In der Elite Men Klasse sorgten anschließend zwei ihrer Teamkollegen für ein perfektes Ergebnis für die Equipe. Loic Bruni (FRA - Lapierre Gravity Republic) legte mit 3:49.907 die Bestzeit hin, selbst sein Neuseeländischer Teamkollege Sam Blenkinsop konnte diese nicht unterbieten und musste sich mit 1,3 Sekunden Rückstand mit dem vorletzten Startplatz beim Finale zufrieden geben. Am Abend stand dann noch das Pumptrack Dualrace auf dem Programm. Bei dieser eher spaßig gestalteten Raceaction verewigte sich Noel Niederberger (SUI - Gstaad -Scott) als Sieger.

Tracey Hannah (AUS - Hutchinson UR)


Schladming verwöhnte Fahrer und Zuschauer zum Finale dann wieder mit perfektem Wetter. Eröffnet wurde das Rennen von der Masters Klasse, bei der sich Benny Herold (GER - NRG-FOES Racing Fact) den Sieg sicherte. Gesamtwertungsführender Rostislav Stencel (CZE - Bikeplac Racing Team) fuhr mit plattem Reifen zwar noch ins Ziel, allerdings ohne jegliche Chance auf eine gute Zeit. Christian Junker (GER - TREK Fahrrad Eberhardt) und Christian Vogt (GER - RIP/Skilift Sägenhof Urach) komplettierten den Hattrick für Deutschland. Bei der anschließend gestarteten U17 Klasse konnte Remy Morton (AUS - NS Dynamics) einen Sieg einfahren, gefolgt von Andrea Bianciotto (ITA - ASD Sestriere Bike Club) und Federico Monzoni (ITA - Smile Bike).

Bereits nach dem Seeding Run sah es so aus, als würde es in der Klasse Elite Women ein Duell zwischen Tracey Hannah und Emmeline Ragot geben. Und tatsächlich konnte weder Manon Carpenter (GBR - Madison Saracen) noch Tahnée Seagrave (GBR - FMD Racing) ihre Zeit des Samtages verbessern und somit brauchten die zwei Vortagesschnellsten nur einen ähnlich soliden Lauf runterbringen, um auf dem Podest zu stehen. Jedoch galt es zu klären, wer dieses prestigeträchtige Rennen als Sieger beenden würde. Allein die Zwischenzeit schien dieses Rätsel schon preiszugeben, denn Ragot unterbot dort bereits mit ganzen 4 Sekunden, wobei Hannah anschließend 3 Sekunden hinter ihr lag. Alle Augen waren nun auf den letzten Streckenabschnitt oberhalb des Stadions gerichtet. Würde die ehemalige Weltmeisterin aus Frankreich diese Zeit ins Ziel bringen können. Sie überquerte die Ziellinie und die Anzeigetafel offenbarte einen Vorsprung von 12 Sekunden auf die momentan Führende Seagrave. Jetzt war es nur noch die Seeding Run Schnellste, die ein Wort mitreden konnte, aber auch sie konnte sich nur marginal verbessern. Somit gewann Emmeline Ragot mit einer Zeit von 4:14.114 Minuten und einem Vorsprung von 4.167 Sekunden den zweiten Lauf des Europacups. Auf Rang zwei beendete Tracey Hannah das Rennen gefolgt von Tahnée Seagrave. Auf Platz vier und fünf reihten sich Manon Carpenter und Micayla Gatto (CAN - Pivot Factory DH Team) ein.

Emmeline Ragot beim Interview mit Uwe Buchholz


Das Elite Men Rennen begann direkt mit einem Paukenschlag. Als erster Fahrer ging aufgrund eines technischen Problems im Seeding Run Jack Moir (AUS - Bergamont Hayes World Team) auf den staubigen Kurs. Seine Zeit vom 3:57.486 Minuten sollte ihm anschließend über 2 Stunden Zeit im Red Bull Hot Seat verschaffen. Erst Alex Bond (GBR - Ti springs.com) konnte dem 20-Jährigen weitere 3 Sekunden abringen und somit seinen Platz einnehmen. Kurz vor den Top Ten gab es dann noch einmal ein Schreckmoment. Miran Vauh (SLO - Blackthorn GT) wollte am Zielsprung eine kleine Showeinlage einbauen, wobei der No-Hander eher einem No-Lander glich und somit die Strecke kurzzeitig gesperrt werden musste. Hoffentlich ist ihm nichts passiert.

Der erste Fahrer der anschließend die Bestzeit unterbieten konnte war Patrick Thome (FRA - Gstaad-Scott), mit einer Sekunde Vorsprung setzte er sich in Führung. Seine Zeit schien ziemlich viel wert zu sein, denn immer mehr der nachfolgenden Top Ten Fahrer schrammten meist ganz knapp an dieser Marke vorbei. Keiner konnte die Zwischenzeit unterbieten. Und dann passierte das Blödeste. Harry Molloy (GBR - RRP Ghost), als Drittletzter gestartet, stürzt kurz vor der Ziellinie und somit mussten Bruni und Blenkinsop ihren Rennlauf abbrechen und anschließend noch einmal neu starten. Der Zwischenstand bis dahin war also, dass Thome mit 3:53.164 führt und die Zeiten der Top Fünf sich alle innerhalb einer Sekunde bewegen. Blenkinsop und Bruni hatten bei ihrem ersten Versuch beide bereits einen Rückstand an der Zwischenzeit, eventuell hätten sie also diese Situation zu ihren Gunsten ausnutzen können. Als erstes ging dann Sam Blenkinsop erneut auf den Kurs. An der Zwischenzeit lag er ähnlich weit zurück, wie bei seinem vorhergehenden Lauf, im Ziel musste er sich dann sogar noch weiter hinten einreihen. Zur gleichen Zeit aber war Brunis Zwischenzeit grün hinterlegt, was heißt, er lag vorn. Konnte er diesen hauchdünnen Vorsprung von 8 Zehntelsekunden ins Ziel retten. In dem Moment als er vom Ziel aus zu sehen war, war klar, er würde ihn nicht nur ins Ziel retten können, er konnte ihn sogar noch gehörig ausbauen. Die Uhr blieb für ihn bei 3:49.104 stehen und damit lag er 4 Sekunden vor seinem Landsmann Thome, gefolgt von David Trummer (AUT - RRP Ghost) und Manuel Gruber (AUT - Radon Factory DH). Fünfter wurde Ruaridh Cunningham (GBR - Unior Tools Team).

Loic Bruni (FRA - Lapierre Gravity Union), volle Punktzahl am Wochenende


Rückblickend war es wohl ein perfektes, kaum zu übertreffendes Rennwochenende mit einer Rückkehr der wohl besten Strecke der Welt auf die internationale Bühne. Weiter geht es nun direkt am kommenden Wochenende im nicht weniger berühmten Val di Sole in Italien. Der ehemalige Weltcupkurs bietet dann den Schauplatz für die dritte Runde des iXS European Downhill Cups.

Gepostet am 23.06.2014 von Thomas |

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