Im Schatten der Legende

Martin und Fabien nach getaner Arbeit...Finale in Finale! Seit Jahren steht dieses Event ganz oben auf meiner „unbedingt so schnell wie möglich machen“-Liste. Jetzt ist es endlich soweit. Doch ich freue mich nicht „nur“ auf einen Super Enduro Lauf: das Rennen ist erstmals Teil der neuen Enduro World Series und vor allem: ich werde nicht einfach ein Rennen fahren. Ich werde quasi in die Welt eines Pro Racers eintauchen. Ein Wochenende lang werde ich zum unauffälligen Schatten von Fabien Barel werden, ihm auf Schritt und Tritt folgen und so nah, wie es näher nicht geht, sein ganz persönliches Rennen mit erleben. Zumindest ist das der Plan, denn ich muss ja erstmal an ihm dranbleiben...

Samstag, 8 Uhr, Start

Wie verabredet warte ich am Canyon Zelt auf Fabien. Mechaniker Marc ist bereits hier und baut alles auf. Fabien lässt etwas auf sich warten, kommt just in time in voller Montur und mit fertigem Bike an. Bevor er zu Start rollt, bleiben noch ein paar Minuten für einen ersten Stimmungs-Check.

Fabien, wie gehts dir heute Morgen?

Super! Wir haben richtig gut trainiert, die Stages hier machen einfach so viel Spaß! Alle Stages sind per Shuttle erreichbar, so dass wir jede Stage zweimal fahren konnten. Das ist natürlich super, um sich die Lines einzuprägen. Wir haben die Bikes so gut es geht abgestimmt, viel zu tun auch für unseren Mechaniker. Es war ja gerade erst vor ein paar Tagen die Transprovence und Roc dázur, also ein recht hektisches Saisonende. 

Wann bist du denn hier angekommen?

Mittwoch Abend. Donnerstag und Freitag stand dann das Training auf dem Programm. Vorher habe ich versucht, ein paar Tage zu entspannen und wieder Kraft zu sammeln. Die Saison war echt lang und anstrengend dieses Jahr! Der erste Run war im April, jetzt ist Oktober... nach meinem Jahr Pause ohne wirkliches Training war es also echt anstrengend für mich. 

Finale ist also dein letztes Rennen dieses Jahr?

Im großen und ganzen schon. Am nächsten Wochenende ist noch ein Downhillrennen bei mir zuhause, das ich selber organisiere und dann war´s das. 

Pause: Fabien entspannt, Mechaniker Marc schraubt

Bist du froh, dass die Saison rum ist?

Irgendwie schon, natürlich freu ich mich darauf, dass mal etwas Ruhe einkehrt. Kein Reisen, einfach mal keine Termine. Ich hatte echt viele Projekte dieses Jahr und da ist es schön, mal zur Ruhe zu kommen. Dieser Zustand hält aber meist nur 2 oder 3 Wochen, dann will ich meistens wieder Gas geben! (lacht)

Ok, aber jetzt ist erst nochmal Vollgas angesagt. Was ist dein Ziel für das Rennen in Finale?

Ich hatte echt eine coole Saison bisher und bin ziemlich konstant gefahren. Mein Hauptziel ist es daher, den dritten Platz in der Gesamtwertung zu halten. Die Saison auf dem Podium zu beenden ist schon eine gute Befriedigung. 

Bist du denn aufgeregt jetzt vor dem Rennen?

Darüber habe ich heute morgen noch mit meinem Mechaniker gesprochen. Ich meine, ich fahre im  nächsten Jahr seit 20 Jahren Rennen! Und es ist morgens vor dem Rennen immer noch dasselbe Gefühl im Bauch, das du sicher auch kennst. Ich frage mich zwar, warum man das immer noch hat, aber genau dieses Gefühl ist ja eigendlich auch ziemlich gut! Gerade kurz vor dem Start: der Start ist ganz speziell, man ist einfach 100% fokussiert und hat die letzten Tage nur darauf hingearbeitet.

Ist es denn bei einem Enduro Race anders, als bei einem Downhill?

Ja klar. Ich denke, ein Downhillrennen ist einfach mit dem meisten Druck verbunden. Du hast vielleicht 5 Minuten und genau eine Chance, um das Rennen zu gewinnen. Beim Enduro geht es viel mehr um eine konstante Leistung, nicht so sehr um die maximale Intensität. Aber das ist auch genau die Herausforderung: du musst den ganzen Tag lang konzentriert sein, nicht nur ein paar Minuten. Ich denke, das ist der große Unterschied. Jedenfalls bin ich immer noch aufgeregt bevor es losgeht, auch nach 19 Jahren noch! So, ich muss jetzt zum Start, kommst du mit?

Ja klar und viel Glück fürs Rennen!

Stage 1

So einfach sagt sich das. Es sind noch 5 Minuten bis zum Start und nachdem Fabien mich gestern Abend überredet hatte, einfach komplett mit ihm mit zu fahren, steht die große Frage im Raum: kann ich überhaupt mithalten? 5 Minuten Vorsprung also. Nicht gerade viel auf einem 30 Minuten Uphill im „Kampf“ gegen die weltbesten Enduro Piloten. Also sprinte ich los, so schnell ich kann, merke direkt, dass ich keine Ahnung habe, wo es her geht, dann zum Glück ein Hinweisschild. Es geht steil hoch über die typischen Serpentinenkurven von Finale. Regelmäßig werfe ich einen Blick nach hinten. Kommen sie schon? Klar wäre mir das schon etwas peinlich, sollte ich zu früh eingeholt werden. Vor allem aber würde es meinen Verfolgungsplan zunichte machen, wenn ich nicht vor dem Rennstart oben ankomme. Ich muss ja sozusagen als Vorfahrer auf den Kurs, denn ich kann ja nicht während des Rennlaufes runter. Irgendwie erreiche ich den Start, ohne überholt zu werden, Puh! Jerome Clementz, Jared Graves, Fabien.... nach und nach trudeln alle ein, scheinbar haben sie es extrem ruhig angehen lassen, denn ich warte bereits seit mindestens 10 Minuten. Es gibt ja auch keine Bergwertung... Fabien wärmt sich auf, dehnt sich, ein bisschen Smalltalk und ich muss auf den Track, noch 5 Minuten bis zum Rennstart. Alle feuern mich an. Die denken wohl, ich sei der erste Fahrer! Irgendwie witzig. An einem Steilstück halte ich an, hier kann man schön gucken, außerdem will ich ja nicht durch die Zeitmessung fahren, es ist durchaus möglich, dass Jerome schon auf dem Kurs ist. Eine folgeschwere Entscheidung: hier ist es definitiv unmöglich, abseits des Trails nach unten zu kommen. Das Ende vom Lied: ein abgebrochener Bremshebel (vom „Runterschieben“!!!), komplett blutige Beine von den Dornen, ein paar äußerst belustigte Zuschauer und vor allem: kein Fabien mehr! Der ist über alle Berge... Zum Glück ist der Zeitraum zwischen den ersten beiden Stages sehr großzügig. Ich kann also ganz entspannt am Ziel von Stage 2 auf Fabien warten. In der Zwischenzeit sagt mein Handy mir, dass Fabien auf Stage 1 Bestzeit hatte! Das ist echt cool: die Rennorga versorgt alle Beteiligten mit brandheissen Ergebnissen per SMS!

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Gepostet am 03.01.2014 von Martin Donat |

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