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Flucht in den Süden

Flucht in den Süden

Orlando „Orli“ Sarioglou wohnt in Dortmund, fährt Downhillraces für Giant und seine Family stammt aus dem schönen Griechenland. Was liegt da näher, als dem fiesen Winter im verregneten Deutschland den Rücken zu kehren, und stattdessen staubtrockene, griechische Trails zu geniessen? Gesagt – getan. Hier ist Orlis Reisebericht.

Donnerstag 24.09
9:15. Abflug Dortmund
12:30. Ankunft Thessaloniki
Also Kind, Kegel und Bike einpacken, einchecken, ab in den Flieger und los. Alles gut! Noch…
In Thessaloniki angekommen brauchen wir mit so viel Stuff natürlich einen schön grossen Mietwagen. Im Vorfeld hatten wir übers Internet einen Mini Van mit 9 Sitzen gebucht. Und kaum, dass wir aus dem Flughafen raus sind, erwartet uns auch schon ein netter Grieche, um uns zum Mietwagen zu bringen. Also schnell den Mietwagen bezahlen und los. Denkste! Denn Kreditkarte ist nicht gleich Kreditkarte. Da ich als „armer“ Studi keine eigene Kreditkarte habe, half mir meine Mutter aus.
Aber so geht das nicht, sagen die Richtlinien der Autovermietung. Zurück zum Flughafen, herausfinden, was jetzt geht. Herausfinden, das nichts geht. Am Ende muss ein entfernter Verwandter vorbei kommen und mit seiner Kreditkarte und seiner Unterschrift herhalten. Super. Nach 4-5 Std. können wir endlich „schnell“ den ganzen Stuff ins Auto laden und düsen rüber zur „Jaja“ (Oma auf Griechisch). Nach ca. 1 Stunde Fahrt sind wir endlich da! Oma wartet schon mit Essen auf uns. Oma’s Essen: Super…besser geht’s nicht!

Freitag 25.09
Wir (dazu gehört auch mein Bruder Andreas Dunsche, der auch das DH Rennen im Rahmen des Festivals mitfahren möchte) wollen früh los nach Xanthi, um das Training nicht zu verpassen. Aber wir sind in Griechenland. Da ticken die Uhren etwas langsamer. Vorsichtshalber ruf ich mal kurz „Vangelios“ an, er ist der Mann, der das Freeride Festival organisiert. Seine Worte: „Joah, hier sind ein-zwei Jungs, die selber shutteln und später kommt auch noch einer mit einem PickUp vorbei, aber offizielles Training mit Shuttel ist erst morgen.“ Also gut: erstmal Entspannung! Holiday on the Beach, Ende September sehr nice.

Samstag 26.09.
Wie schon am Freitag fest vorgenommen wollen wir heute aber echt früh los und diesmal schaffen wir es auch! In Xanthi angekommen werden wir erstmal gründlich unter die Lupe genommen. Die Gesichtsausdrücke der anderen Fahrer sprachen Bände: „Wer ist das denn?“ Unvoreingenommen gehen wir zur Anmeldung. Ein kleines Easy-up Zelt im Schatten nennt sich Anmeldung. Es ist nicht viel los. Deshalb bekomme ich die Nummer 17 und Andreas die 18! Alles ist extrem entspannt und chillig und wir haben immer noch 30°C im Schatten! Für die Griechen ist das kalt!

Umziehen und los: endlichen Radfahren. Geshuttelt wird mit PickUp`s. 6 Räder¬ + 6 Fahrer = voll.
Einen geländegängigen PickUp braucht man auch bei den „Strassen“. Der Fahrer kennt da nix und driftet mit Vollgas um die Kurven. Dagegen ist eine deutsche Shuttel Fahrt Cruising. Oben angekommen frag ich erst mal einen Typen, der schon die neusten Troy Lee Klamotten an hat und auf einem schicken Intense sitzt, ob er mir die Strecke zeigt. Er heisst John und antwortet: „OK, Follow me“. Die Strecke ist schnell – sehr schnell! Es gibt Stücke zum Pedalieren aber es gibt auch Sprünge, einen grossen Drop, einen Double und kleines Road Gap. Dazu Single Trail Stücke sowie eine Reihe an Anlieger Kombinationen. Alles in allem eine gute Strecke! Die Fahrzeit beträgt um die 3 Minuten, also vergleichbar mit Deutschen Strecken. Training von 11:00 – 18:00, kein Stress und klein langes Anstehen am Shuttel.

Sonntag 27.09
Training, Quali und Finale stehen an. „Eine erste, entspannte Trainingsfahrt, erstmal runterrollen und wach werden“ denke ich mir. Soweit, so gut, doch unten angekommen warten alle Rider vergeblich auf die PickUps. Weil das XC Rennen die Strecke blockiert, könne die Shuttles nicht fahren. Das war’s also mit dem Training! Kommentar vom Veranstalter: „Du hast doch gestern genug trainiert, oder nicht!?“ – Typisch Griechisch…
Quali: 3, 2, 1 Go! Mit Transpondern wir die Zeit gemessen. Ich werde vorerst Dritter mit einer Zeit von 2: 59min. – ich bin zufrieden. Bestzeit ist 2: 55min. „Das ist zu schaffen“ denke ich mir. In mir entsteht Unruhe: „Soll ich doch lieber Klick Pedalen fahren und so vielleicht 2 Sekunden mehr rausholen? Oder doch nicht...“. Immer dieser Kampf mit mir selber... „Der Erstplatzierte fährt Klicks - muss ich dann nicht auch?“ Ich entscheide mich dagegen. „Don ’t change a running System”. Ausserdem ist die Strecke auch sehr rutschig vom vielen Staub, da es seit Monaten nicht geregnet hat. Seit Monaten! Die Griechen zählen die Tage, an denen es regnet. Wir in Deutschland zählen ja eher die Tage, an denen es mal nicht regnet. Schlussendlich gebe ich noch mal alles im Finallauf, bis mir die Oberschenkel brennen. Pedalieren, so wenig wie möglich bremsen und Gas, Gas, Gas durch die Anlieger! Ein guter Run- Platz Eins - vorerst. Alle jubeln und freuen sich mit mir. Wirklich alle! Aber der Quali-Erste haut noch mal einen raus und klaut mir noch fast 3 Sekunden. Ich gratuliere ihm - sportlich und fair - er war schneller, somit bin ich Zweiter und kassiere sogar noch etwas Preisgeld. Mein Bruder hat weniger Glück als ich. Im Finale stürzt er und wird 24ster. Spass hatte er jedoch allemal und die Knochen sind auch heile geblieben. Es hat sich gelohnt für uns beide, schon alleine der Erfahrung wegen, auch mal ein Hellas Rennen mitzufahren, nette Leute kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen.

Hier ein kleines Video von dem DH-Track:
freecaster.tv/mtb/1009846/xanthi-dh-track


Bis demnächst zurück in good old Germany,

Cheers Orlando

Text Orlando Sarioglou   

1 Kommentare zum Artikel:
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