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Reifentest Teil 1: Downhill- und Dirt Schlappen

Reifentest Teil 1: Downhill- und Dirt Schlappen

Ohne Grip läuft nichts. Genau deswegen sind die Reifen so wichtig und entscheiden oft genug über Sieg und Niederlage. Wir wollten es genau wissen und haben die neuesten Gummis unter die Lupe genommen. Im ersten Teil unseres Reifen-Specials stellen wir euch zwölf Downhill- und neun Dirt-Reifen vor.

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Im Downhill-Sport geht es oft um Sekundenbruchteile. Die Fahrer gehen an ihre eigenen Grenzen und an die ihres Materials. Noch ein bisschen flacher in die Kurve legen, noch etwas später anbremsen und noch brutaler laufen lassen. Und immer sind die Reifen von entscheidender Bedeutung. Wie gut rollt das Gummi auf der flachen Tretpassage, wie gut ist der Grip in der Kurve und wie sehr kann man sich auf die Pannensicherheit des Reifens verlassen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich bei der Reifenwahl stellen muss. Welches ist das optimale Downhill-Gummi? Das objektiv zu beurteilen, ist nicht einfach. Oft genug spielen persönliche Vorlieben und sicher auch der Fahrstil eine grosse Rolle, die meisten Fahrer haben ihren persönlichen Favoriten- Reifen, auf den sie schwören. Trotzdem gibt es einige Kriterien, die bei der Reifenwahl helfen können.

Frank Schneider vom Nicolai Racing Team hat ganz klare Vorstellungen:
„Das Allerwichtigste ist die Durchschlagsicherheit, denn nichts ist ärgerlicher als ein Plattfuss im entscheidenden Moment.“ Damit einher geht das Gewicht des Reifens. Mit stabiler Downhill-Karkasse wiegt solch ein Reifen locker um die 1,2 Kilo. Wer hier am Gewicht sparen will, geht immer einen Kompromiss ein und sollte wissen, was er tut. Ähnlich wichtig wie die Pannensicherheit ist die Grundstabilität der Karkasse. André Wagenknecht, deutscher DH-Meister 2008: „Die Karkasse muss stabil genug sein, um der hohen Belastung standzuhalten, die in Kurven auf sie wirkt. Ist sie das
nicht, knickt der Reifen ab und man rutscht weg.“ Eine grosse Rolle spielen natürlich auch das Profil und die verwendete Gummimischung, die ja den direkten Kontakt zum Untergrund darstellen. Das Profil entscheidet, wie gut der Reifen auf trockenem, festem oder weichem Boden oder im tiefen Matsch hält. Ausserdem ist es dafür verantwortlich, wie gut die Selbstreinigung des Reifens ist, wie gut er rollt und wie schnell er sich abnutzt. Es kommt also darauf an, wie der Boden einer Strecke so aussieht.

Und genau das ist ja oft nicht so klar zu sagen, denn kaum eine Strecke besteht ausschliesslich aus hartem, trockenem Boden oder aus weichem Waldboden, fast immer wechseln unterschiedliche Beläge ab. Genau deshalb legt Frank Schneider auch enorm viel Wert auf sehr gute Allround Eigenschaften eines Reifens. „Im Grunde genommen braucht man zwei Paar Reifen: einen Matschreifen und einen für alles andere!“ André Wagenknecht hingegen ist kein Freund vieler Reifenwechsel: „Es ist mir ziemlich wichtig, dass ich mich auf einen Reifen einschiessen kann und so genau weiss, wie er sich in welcher Situation fährt. Das ist mir viel wichtiger, als ständig die Reifen zu wechseln, nur weil ein anderes Modell theoretisch etwas besser zur Strecke passen könnte.“ Ein spannendes Thema ist der Rollwiderstand. André: „Viele Fahrer unterschätzen meiner Meinung nach den Rollwiderstand! Das Verhältnis von Grip zu Rollwiderstand sollte auf jeden Fall stimmen.“

Was muss ein Dirt-Reifen können?
Etwas andere Auswahlkriterien legen Dirt-Fahrer ihrer Reifenwahl zugrunde, wie Dirt-Rider Pierre Grawitter erklärt. „Zuerst mal sollte der Reifen schön leicht sein, denn gerade beim Tricksen merkt man jedes Gramm mehr am Laufrad. Ich würde deshalb am Dirt-Bike immer leichte Faltreifen fahren. Dennoch muss der Reifen auch ausreichend stabil sein. Er sollte relativ stramm auf der Felge sitzen, damit er nicht bei jedem schräg gelandeten 360er von der Felge springt. Ausserdem muss der Reifen ziemlich hohe Luftdrücke von vier bis fünf Bar abkönnen. Und dann ist da noch das Profil:
Es sollte schön rund sein und gut rollen. Wenn der Reifen zu sehr bremst, kann das der entscheidende Schwung sein, der zum Sprung fehlt.“ Aber auch im Dirt-Einsatz gibt es Unterschiede. Wie gross sind die Sprünge, wie lang die Abstände dazwischen? Haben die Dirts viele Kurven, wie fest ist der Boden? Lauter Fragen, die sich jeder selbst beantworten muss.

Der Test
Zuerst einmal haben wir alle Reifen gewogen; die Gewichtsangaben,
die ihr hier findet, stammen also nicht von den Herstellern. Dann haben
wir alle Reifen dieses Tests ausführlich ausprobiert: auf verschiedenen
Strecken und bei unterschiedlichem Wetter. Immer wieder haben wir die Reifen gewechselt, um sie direkt miteinander vergleichen zu können. Dabei herausgekommen sind jede Menge Erkenntnisse über teilweise durchaus starke Unterschiede der verschiedenen Gummis. Besonders spannend war unser Rollwiderstandstest. Dafür haben wir eine gerade, leicht abfallende Strecke mit festem Boden abgesteckt und sind diese mit jedem Reifen mehrere Male abgerollt, ohne vorher Schwung zu holen, immer mit demselben Luftdruck und auf demselben Bike. Dabei haben wir die Zeit gestoppt, die es dauerte, um vom Start bis zum Ziel zu rollen, und am Ende einen Mittelwert ermittelt. Dabei sind krasse Unterschiede herausgekommen: Der schnellste Downhill-Reifen rollte im Schnitt in etwa 40 Sekunden über die Testdistanz. Der langsamste Reifen brauchte sage und schreibe fast 18 Sekunden länger! Alle Ergebnisse zu den einzelnen Reifen findet ihr in den folgenden Testberichten.



Text Martin Donat    Fotos Martin Donat, Fabio Schäfer   

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